Bild: ©Philipp Langenheim, philipplangenheim.com

Daniel Schwaag von Elegant Embellishments

Daniel Schwaag und Allison Dring haben ihr Studio Elegant Embellishments gegründet, um darauf hinzuweisen, dass Nachhaltigkeit in der Architektur immer wichtiger wird. In ihrem Berliner Büro entstehen Fassadenelemente, die Umweltschmutz aus der Luft filtern können. Dabei werden die Stickoxide in der Luft zu Kalziumnitrat umgewandelt und das umweltschädliche Treibhausgas CO2 wird reduziert. Das Fazit könnte somit sein: Um die Umwelt zu schonen, muss mehr gebaut werden. Wir haben den smarten Kopf Daniel Schwaag zum Gespräch getroffen.

In Ihrem Büro entstehen Fassadenelemente, die Umweltschmutz aus der Luft filtern können – wie genau funktioniert das? Wir verfolgen zwei Strategien, die sich auch mit zwei unterschiedlichen Arten der Luftverschmutzung befassen. Die ProsolveProdukte (ein perforierter Vorhang aus Titandioxid) bekämpfen urbane Luftverschmutzung, die hauptsächlich bei Verbrennungsprozessen im Transport und bei der Energiegewinnung entsteht. Sie dienen dem Abbau von Stickoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen, Schwefel und sekundär auch Feinstaub. Die Made-of-Air-Produkte (Produkte, die aus Abfallbiomasse, die CO2 in der Atmosphäre absorbiert hat und durch Pyrolyse, einen sauerstofffreien Ofen, zu einer stabilen Form von Kohlenstoff hergestellt wird, gemacht sind) zielen auf die Reduzierung des umweltschädlichen Treibhausgases CO2 ab.

Die Fotokatalyse ist vergleichbar mit Katalysatoren im Auto nur, dass sie nicht durch Wärme, sondern durch UV-Licht betrieben wird. Die Oberflächen aus speziellem Titandioxid wandeln Luftfeuchte und Photonen um. Die daraus entstehenden Sauerstoffspezies bauen Schadstoffe aus der Luft ab. Dazu werden Tageslicht, aktive Oberfläche und begrenzte Windgeschwindigkeiten benötigt. ProsolveModule setzen sich zu komplexen Oberflächen zusammen, die die fotokatalytische Reaktion in genau diesen Punkten begünstigen.

Bei Made of Air ist der Ansatz anders. Hier handelt es sich um Produkte, die zu ca. 90 % aus Kohlenstoff bestehen. Jeder Quadratmeter Fassade speichert so ca. 25 kg CO2, die direkt aus der Luft gewonnen wurden und somit nicht mehr zur Erderwärmung beitragen können. Der Herstellungsprozess liefert zudem nachhaltige Wärmeenergie, so dass diese 25kg CO2 wirklich nach Abzug aller Energieverbräuche voll anrechenbar sind. Je mehr wir von diesem Material produzieren, desto besser für die Umwelt, und wir werden in Zukunft sehr viel bauen müssen.

Mit Ihren Projekten wollen Sie der globalen Umweltverschmutzung entgegentreten – wie und wann kamen Sie auf die Idee? Die Anfänge stammen noch aus der gemeinsamen Zeit in London, als wir während Hitzewellen die Auswirkungen urbaner Luftverschmutzung intensiv am eigenen Körper gespürt haben. Da kam der Gedanke, dass die Oberflächen unserer Gebäude eigentlich mehr tun könnten, als nur klassische Bauproduktefunktionen zu erfüllen. Allerdings war mit Prosolve nie die Intention, globale Umweltverschmutzung zu bekämpfen. Hier handelt es sich um ortsgebundene Lösungen, die wirklich vor Ort konzentrierte Luftverschmutzung abbauen. Mit Made of Air geht es aber tatsächlich um die globale Luftverschmutzung.

Ihr Referenzobjekt ist ein Krankenhaus in Mexico City…? Was genau haben Sie dort gemacht? Das war ein Projekt des mexikanischen Gesundheitsministeriums, ein Krankenhaus, das hochmoderne Gesundheitsversorgung für wirtschaftlich Benachteiligte anbietet. Die Luft reinigende Fassade hat thematisch sehr gut zum Heilungs- und Reinheitsgedanken eines Krankenhauses gepasst. Wir haben rund 2.500 Quadratmeter Fassadenelemente geliefert. Durch die Oberflächenvergrößerung sind es dann rund 5.000 Quadratmeter aktiver Fassadenfläche, mit dem Potenzial, die Luftverschmutzung von bis zu 1.000 Autos am Tag zu neutralisieren.

Nachhaltigkeit in der Architektur – warum wird das ein immer größeres Thema? Das Bauen ist unsere ressourcenintensivste Aktivität. Wir als Gesellschaft haben uns beim Klimawandel in den letzten Jahren sehr auf die Energiegewinnung und Energieeffizienz konzentriert. Jetzt rückt die Herstellung unserer Materialien immer mehr in den Fokus. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung um 2 Milliarden Menschen wachsen. Wenn wir unsere zukünftigen Städte so bauen wie bisher, können wir unser Klimaziel, die Erderwärmung bis 2100 auf 2 Grad C zu begrenzen, jetzt schon abschreiben. Hier wird sich sehr viel ändern müssen.

Und wird es irgendwann nur noch nachhaltige Architektur geben? Das sollte eigentlich auf der Hand liegen, allerdings ist der Klimawandel immer noch schwer erfahr- und vermittelbar.  Die Ursachen liegen hier viel tiefer. Die Auswirkungen des Klimawandels sind einfach noch zu asynchron mit unseren Wahlzyklen. Ich meine, wir haben ein wirkliches Kommunikationsproblem. Unserer Probleme werden immer komplexer, aber unsere Kommunikation immer plakativer, unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer. Der Klimawandel wird unsere politischen Systeme bis auf das Äußerste testen.

Wie wird die Stadt in zehn Jahren aussehen? Grüner, mehr Projekte mit Crowdfunding, Baugruppen aus Holz, mehr Experimentieren, fliegende Autos, viele Robotor und Stadtbewohner, die zunehmend auch über die Daten verfügen, um die Stadt humanitärer und harmonischer zu gestalten, also nicht primär nach kurzfristigen ökonomischen Belangen agieren. Und viel mehr Freiflächen, nachdem wir uns vom Auto verabschiedet haben, aber auch neue Mittel, um Städte gegen stärkere Hitzewellen, Winde, Sturmfluten und Dürreperioden zu schützen.

Zu guter Letzt: Könnten Sie bitte folgenden Satz beenden: „Berlin ist smart, weil es die Fähigkeit besitzt, sich durch seine Anziehungskraft ständig zu erneuern.