@ Hoffotografen

Dr. Stefan Brandt vom Futurium

In Zeiten politischer Herausforderungen und großer Verunsicherung ist das Verlangen die Zukunft aktiv mitzugestalten stärker denn je. Das Futurium in Berlin möchte Teil dieses Prozesses sein und schafft einen so noch nie dagewesen Ort über Zukunft. Im Gespräch erklärt Direktor Dr. Stefan Brandt, wie das Futurium die Stadt Berlin prägen wird.

Die Zukunft ist ungewiss und komplex. Wie kann das Futurium das ändern? Das Futurium kann und will gar nicht die Zukunft vorhersehbar machen. Wir möchten aber viele Menschen mit Zukunft – mit Ideen, Visionen, Utopien – in Berührung bringen. Insbesondere auch Menschen, die sich heute von Zukunft abgekoppelt fühlen oder mit Zukunft vor allem Ängste verbinden. Wir wollen am Futurium über die Zukunft reden und eine Plattform für den gemeinsamen Austausch über Zukunft sein. Wie die genau aussehen wird, hängt davon ab, welche Entscheidungen wir in der Gegenwart treffen. Die große Frage, die sich durch alle Bereiche zieht, lautet doch letztlich: Wie wollen wir leben? Mit den Antworten auf diese Frage beeinflusst jede und jeder Einzelne ein Stück weit die Zukunft – und kann somit Zukunft mitgestalten.

Was ist denn das Futurium nun genau? Ein Museum, eine Ausstellung, ein Erlebnispark? Das Futurium ist ein völlig neuer und in Deutschland bislang so noch nicht existierender Ort, an dem Zukünfte vorgestellt, diskutiert und in konkretes Handeln übersetzt werden. Das Futurium bringt zusammen, was sonst nicht zusammenkommt: Ideen, Menschen, Institutionen. Ein breites Spektrum an Angeboten – von Ausstellungen über Workshops und Debatten bis zu künstlerischen Projekten und digitalen Formaten – wird den Besucherinnen und Besuchern Impulse zur Beschäftigung mit Zukunftsfragen geben. Bei all diesen Formaten ist uns die Partizipation des Publikums wichtig.

Was sind die Auswirkungen für die verschiedenen Stakeholder: Bürger, Unternehmen, Touristen, die Stadt etc.? Wir streben an, dass viele, die zu uns kommen, einen Impuls zum Handeln in ihren Alltag mitnehmen. Mehr Nachhaltigkeit beispielsweise ist eben nicht nur eine Frage der Politik, sondern auch des individuellen Verhaltens und fortwährenden Nachdenkens über diese Frage. Auf dieser Basis fällt es dann wiederum leichter, konkrete Erwartungen an die Politik und andere Stakeholder zu formulieren.

Sie eröffnen im September 2019. Was ist dann genau geplant? Ein großes Eröffnungswochenende für alle, das sich um eines unserer Hauptthemen dreht: Wie können wir Zukunft gestalten? Das Programm wird interdisziplinär sein und Debatten ebenso umfassen wie spielerische Elemente und künstlerische Akzente.

Welche Partner möchten Sie dabei involvieren? Wir haben mit unseren 15 Gesellschaftern eine breite Basis im Rücken, die uns viel Expertise bereitstellt. Für einzelne Veranstaltungen gibt es darüber hinaus zusätzliche Kooperationen. Das haben wir bereits bei unserer Pre-Opening-Phase erfolgreich erprobt. Da hatten wir Partner aus allen gesellschaftlichen Bereichen, von Bürgerinitiativen über Startups und Wissenschaftseinrichtungen bis hin zu Kulturinstitutionen.
 

Geht es um „unterhaltende Aufklärung“ über die Zukunft oder werden daraus konkrete Projekte entstehen? Haben Sie Gelder, um etwa Startups oder Einzelpersonen, die eine gute Zukunftsidee haben, zu finanzieren? Wir glauben, dass alle gemeinsam die Zukunft gestalten. Startups spielen dabei eine wichtige Rolle. Wir sind sicherlich kein Inkubator für Startups – aber vielleicht entstehen im Lab ja Zukunftsideen, die später neue Startups inspirieren. Uns geht es im Futurium nicht um „Unterhaltung“, sondern um „Lebensnähe“. Mit einer Vielfalt von Formaten, gern auch unterhaltenden, wollen wir den Menschen Themen näherbringen, die einen konkreten Lebensbezug zu ihnen haben. Wie könnte sich Künstliche Intelligenz auf die Medizin der Zukunft auswirken? Was bedeutet das für die Art, wie Diagnosen erstellt werden? Wie ändert sich die Rolle des Arztes?

Wie setzt sich das Themencluster zusammen? Unsere Ausstellung besteht aus vielen Themen und Themenclustern, die wir in drei „Denkräume“ gegliedert haben: Mensch – Natur – Technik. Innerhalb der drei Denkräume haben wir Themen priorisiert, die wir für zukunftsrelevant halten. Das können Themen sein, die bislang nur in Laboren erforscht werden, oder auch Themen, zu denen bereits eine breitere gesellschaftliche Diskussion begonnen hat.

Wie repräsentiert das Futurium die Stadt Berlin? Es gibt den berühmten Ausspruch des Kunstkritikers Karl Scheffler von 1910, dass „Berlin dazu verdammt“ sei, „immerfort zu werden und niemals zu sein“. Wir sehen den Aspekt des „Werdens“ ähnlich, aber viel positiver: Berlin ist eine Stadt in ständigem Wandel, trotz der unübersehbaren historischen Narben stets auf Neues aus, international vernetzt und offenkundig attraktiv für viele kreative Köpfe.