Jens Burkhardt von BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH

Sie sind neuer 2. Sprecher des Smart-City-Netzwerkes; welche Bedeutung hat das für Sie und worauf freuen Sie sich in Zukunft besonders? 

Die Chance, als 2. Sprecher des Smart-City-Netzwerkes mitgestaltend dabei zu sein, hat mich sehr gereizt. Die Rolle und das Netzwerk bieten die Chance, die Stadt als Ganzes besser zu verstehen, permanent über den Tellerrand zu schauen und in Innovationen anderer Branchen eintauchen zu können. Auf den Innovation Excellence Days 2018 haben wir mit unseren Partnern den Zustand des Innovationsgeschehens der Stadt Berlin kritisch unter die Lupe genommen und über Veränderungen gesprochen, die es dringend braucht, damit Berlin zukunftsfit wird und seine Innovationskraft behält. Die für uns entscheidenden Antworten fanden wir im Grundgedanken einer Smart City Berlin. Das ist auch für meine Rolle als Chief Digital Officer der BIM sehr bereichernd.      

Als Chief Digital Officer bei der Berliner Immobilienmanagement GmbH (kurz „BIM“) sind Sie verantwortlich für die Digitale Transformation für mehr als 5.000 Gebäude und Grundstücke; wie sieht diese Arbeit genau aus und worauf konzentrieren Sie sich aktuell? Welche Smart-City-Ansätze gibt es da? 

Wir reden bei unserem Portfolio von 5.000 Old- und Youngtimern, die zwischen einem und mehreren hundert Jahren alt sind. Da findet sich wenig Digitales in der Substanz, aber jede Menge Modernisierungsbedarf. Die Challenge ist also, diesen riesigen Bestand für digitale Prozesse vorzubereiten und miteinander zu vernetzen. 

In den ersten Jahren unserer Unternehmensentwicklung ging es darum, eine grundsätzliche Transparenz über Flächen, Verbräuche, Zustände, Kosten und Werte öffentlicher Immobilien zu schaffen. Da hatte Berlin vor der BIM sehr lange einen großen blinden Fleck, den wir beseitigt haben, wodurch wir Optimierungspotenziale von mehr als € 500 Millionen für Berlin generieren konnten. 

In unserem Kerngeschäft des Entwickelns, Bewirtschaftens und Bauens legen wir den Schwerpunkt auf den Ausbau unserer digitalen Plattformlandschaft, die Einführung neuer digitaler Produkte, die Integration von IoT-Lösungen für das Facility Management unserer Immobilien und die Optimierung unserer Servicequalität. Hier liegt der Fokus klar auf unseren Kunden und Geschäftspartnern. 

Innerhalb der BIM setzen wir auf die Digitalisierung unserer Prozesswelt, die Gestaltung neuer Arbeitswelten, einen smarteren Einsatz der Daten und den Ausbau digitaler Kompetenzen. Dafür läuft seit 2017 unser Change-Prozess „BIM 4.0 open strategy“. In sogenannten strategischen Umsetzungsprogrammen, wie z.B. „Wachstum & Innovation“, „Arbeitswelten“ und „Ergonomie & Digitalisierung“, bündeln wir unsere Aktivitäten und arbeiten gemeinsam an den Innovationen.  

Derzeit liegen unsere Schnittstellen zu Smart City ganz klar bei den Themen Fläche, Energie, Logistik, IoT und Daten. 

Vor welchen Herausforderungen steht die Flächenpolitik angesichts der schnell wachsenden Metropole, und welche Lösungen bietet eine Smart City?

Folgende Punkte möchten wir aktiv angehen:

  1. Flächen in viel größerem Umfang für Zukunftsfragen beschaffen und deren intelligente Zwischennutzung vorantreiben 
  2. Bestehende Ressourcen und Infrastrukturen (Quartiere, Gebäude, Grundstücke, öffentliche Räume) effizienter nutzen und den Prozess dafür Berlin-übergreifend einführen
  3. Entwicklungs-, Planungs-, Genehmigungs- und Beschaffungsprozesse in der Stadt radikal vereinfachen, durchgängig digitalisieren, interdisziplinär organisieren und deutlich verkürzen

Auf einer Smart-City-Plattform werden diese Prozesse digital zusammengefasst und transparent abgebildet. Es geht schlichtweg darum, die begrenzten Ressourcen so einzusetzen, dass sie ein Maximum an Nutzen für die Stadt erzeugen.

Was macht für Sie eine intelligente Stadtentwicklung aus? 

Ich würde gern den Begriff intelligente Stadtentwicklung durch smartes Stadtmanagement ersetzen!

In Berlin treffen derzeit alle Herausforderungen einer wachsenden Stadt einerseits und große gesellschaftliche Veränderungen andererseits auf engstem Raum zusammen. Hier stoßen wir strukturell sowie finanziell immer wieder an Grenzen und alles findet gefühlt gleichzeitig statt. 

Ich wünsche mir, dass sich Berlin auf wenige Top-Themen fokussiert, dafür integrierte Strategien festlegt, die Ressourcen dazu strukturübergreifend bündelt und diese in zehn Jahren im Kern abschließend löst. Die Roadmap dafür müsste fast m.E. Gesetzes-Charakter bekommen, damit bei jeder Haushaltsberatung und bei jeder Regierungskonstellation die Umsetzung dieser Top-Themen für alle Akteure verpflichtend ist. In den Rathäusern, Verwaltungen, Beteiligungsgesellschaften, Unternehmen und NGOs sowie der Stadtgesellschaft gibt es doch genug smarte Köpfe, die gemeinsam die Herausforderungen der Stadt lösen können. Lasst sie uns an den Tisch holen!

Wo steht Berlin, Ihrer Meinung nach, im Prozess „Smart City“ und was ist noch zu tun?

Am Anfang.

Im Kern haben wir eine gute Ausganglage, was Innovation, Forschung und Wissenschaft sowie Diversität, Attraktivität und Kreativität betrifft. Da Berlin gefühlt nie fertig wird, ist eben alles auch ständig in Bewegung und verändert sich. Diese Dynamik ist eine gesunde Basis für Wachstum und Innovation.  

Im Gegenzug berauben wir uns aber gerade unserer guten Rahmenbedingungen, bringen die bestehenden Infrastrukturen an ihre Grenzen und bekommen die Alltagsprobleme der BerlinerInnen und die unserer Brandenburger Nachbarn nicht hinreichend gelöst. Die Region Berlin-Brandenburg gilt es zukunftsfit zu machen und das schließt viele Entwicklungen unseres Nachbarbundeslandes wie z.B. Mobilität, Wohnen und Versorgung mit ein. 

Ich bin davon überzeugt, dass der Begriff Smart City dann mit Berlin in Verbindung gebracht wird, wenn die großen Alltagsprobleme der BerlinerInnen zu deren Zufriedenheit gelöst sind. Dazu zählt z.B. eine reibungslose Mobilität von A nach B, eine verfügbare KiTa oder Schule mit hoher Qualität im eigenen Kiez und Verwaltungsdienstleistungen, die mir das Leben in der Stadt erleichtern.  

Welche Best Practices in Berlin gefallen Ihnen besonders gut? 

Die generelle Innovationsfreudigkeit der Stadt ist schon ein riesen Vorteil. Die noch guten Rahmenbedingungen und die sehr gute Forschungs-, Wissenschafts- und Förderlandschaft sind sicherlich weitere Faktoren. Die wachsende Anzahl an Öffnungs- und Partizipationsprozessen in der Stadt ist eine weitere Entwicklung, die der Stadt guttut. 

Welches Potenzial hat das Smart-City-Netzwerk schon heute und in Zukunft?

Smart City ist eine weltweite Entwicklung, die sich m.E. keine Stadt entziehen kann. Ich wünsche mir, dass wir in Berlin eine große Smart City Community aufbauen, die bei allen relevanten Themen mitgestaltend dabei ist und die Themen vorantreibt. Die heutigen Akteure im Smart-City-Netzwerk bringen bereits eine große Innovationsbereitschaft aus ihren Organisationen mit, die für das Land Berlin wertvoll sind. Mehr noch wünsche ich mir, dass die Berliner Verwaltung, die NGO`s und die Berliner Stadtgesellschaft ein Teil der Smart City Community werden.   

Wie sieht für Sie die Stadt der Zukunft aus?

Digitaler. Leiser. Sauberer. Regulierter. Vernetzter. Vielfältiger. Wertiger. Sparsamer. Friedlicher. Konsequenter.

Könnten Sie bitte folgenden Satz beenden: „Berlin ist smart, weil… 

...hier so viele zukunftsgewandte und kompetente Menschen leben, die Berlin verändern und nach vorne bringen wollen. Gebt ihnen den Raum dafür!

Vielen Dank für Ihre Zeit!