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Michael Peuker von Hermes Germany

Im Sommer ist im Prenzlauer Berg das Projekt „KoMoDo“ (kurz für Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paketbranche für den nachhaltigen Einsatz von Lastenrädern in Berlin) gestartet. Dabei geht es um die gemeinsame Nutzung von Mikro-Depots durch die Paketdienstleister DHL, DPD, GLS, UPS und Hermes für die Zustellung von Sendungen mit Lastenrädern – den sogenannten Cargobikes. Die fünf Paketdienstleister beliefern die Stadt von ihren Mikro-Depots aus, die in der Eberswalder Straße angesiedelt sind. Hermes arbeitet bereits seit einigen Jahren daran, die Emissionen im Transportverkehr bis 2025 dauerhaft zu senken und hat im vergangen Jahr seine Fahrzeugflotte elektrifiziert.  

Ein Modellprojekt mit Cargobikes soll die motorisierten Lieferfahrzeuge ersetzen – was genau steckt hinter KoMoDo? KoMoDo erprobt ein alternatives Zustellkonzept in Berlin. Dreh- und Angelpunkt ist ein Mikro-Depot, das in Prenzlauer Berg/Pankow vom Berliner Senat zur Verfügung gestellt wird. Wir stellen von dort aus mit E-Cargobikes Pakete zu, drei Lastenräder kommen dabei zum Einsatz. Das Besondere am KoMoDo-Projekt ist, dass sich hier erstmals die größten Paketdienste Deutschlands gemeinsam beteiligen. Jeder Paketdienst hat seinen eigenen Container, der als Mikro-Depot für einen innerstädtischen Umschlag und auch als Stellplatz für die E-Cargobikes dient. Das Projekt könnte durchaus Referenzcharakter für andere Städte haben – so bekommen wir es zumindest schon in Gesprächen mit anderen Städten gespiegelt.

Es haben sich insgesamt fünf Logistikunternehmen für dieses Projekt zusammengeschlossen – wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den anderen Partnern? Wir sind von der Stadt und dem zuständigen Konsortialleiter angesprochen worden, ob wir uns eine Teilnahme vorstellen könnten. Dann folgten mehrere gemeinsame Abstimmungen der teilnehmenden Partner zur Konkretisierung der Idee. Bis zum eigentlichen Start mussten wir uns noch etwas gedulden, da die Standortsuche und Genehmigungen doch länger dauerten als es ursprünglich geplant war.

Für die Umsetzung solcher Mikro-Depot- und Cargobike-Projekte sind wir im Übrigen zwingend auf die Zusammenarbeit mit den Städten angewiesen. Innenstadtnahe Flächen für bundesweite Mikro-Depots in Großstädten sind nur selten verfügbar und wenn, dann häufig sehr teuer – gerade für eine vergleichsweise margenschwache Branche wie der unsrigen. Umso wichtiger ist für uns gemeinsam mit den Städten oder auch anderen Partnern geeignete Lösungen zu erarbeiten.

Warum sind Sie mit eingestiegen? Auch unabhängig vom KoMoDo-Projekt möchten wir in den kommenden Jahren die Emissionen im Transportverkehr kontinuierlich senken, vor allem natürlich in den feinstaubbelasteten Städten. Bereits vor einiger Zeit haben wir deshalb unter dem Namen „Urban Blue“ ein umfangreiches Projekt lanciert, dessen Ziel es ist, bis 2025 im Innenstadtbereich der 80 größten deutschen Städte emissionsfrei zuzustellen. Unsere Kooperation mit Mercedes-Benz Vans zur Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte ist ebenso in diesem Kontext zu sehen wie beispielsweise die TRIPL-Tests in Göttingen, der Einsatz von VW E-Craftern in Hannover und Frankfurt oder auch der Einsatz von emovum-Elektrotransportern in Hamburg. KoMoDo ist für uns in diesem Zusammenhang eine super Ergänzung und passt perfekt in unsere Unternehmensstrategie. In diesem Jahr folgen übrigens noch weitere Städte, in denen wir alternative Zustellfahrzeuge zum Einsatz bringen werden – lassen Sie sich überraschen.

Zusteller zu Fuß und auf Lastenfahrrädern – damit wird sicherlich ein großer Teil zum Umweltschutz beigetragen. Ist es aber auch körperlich anstrengend für die Zusteller…? Es sieht ehrlich gesagt anstrengender aus als es ist. Natürlich: Von der Hand zu weisen ist freilich nicht, dass der Zustelljob an sich ein körperlich durchaus anspruchsvoller Job ist. Der Wechsel vom Transporter zum E-Cargobike ist da aber eher zweitrangig. So sind z. B. alle von uns eingesetzten E-Cargobikes mit kraftvollen Elektromotoren und Anfahrhilfen ausgestattet, um den Kraftaufwand deutlich zu reduzieren. Außerdem agieren wir direkt in den angrenzenden Kiezen des Mikro-Depots – damit entfallen lange Anfahrtswege und auch die Tourlänge selbst hält sich sehr in Grenzen. Da wir zudem oft direkt vor die Haustür fahren können, entfallen häufig die klassischen Laufwege zum Transporter und natürlich auch der Stress, eine geeignete Parkstelle zu finden. Interessanterweise bemerken wir übrigens gerade in Berlin, dass wir für E-Cargobikes bedeutend mehr Jobinteressenten finden als für Touren mit konventionellen Transportern. Das haben wir so im Vorfeld nicht erwartet.

Warum ist es so wichtig, gerade im Transportwesen auf Nachhaltigkeit zu setzen? Wir sind überzeugt, dass wir als einer der größten Paketdienste des Landes einen Teil dazu beitragen müssen, Emissionen gerade in den Innenstädten zu senken – auch wenn die Paketdienste mit ihren Fahrzeugen und Fahrten nur einen sehr geringen Anteil am gesamten innerstädtischen Verkehr ausmachen. Den Löwenanteil des Verkehrs, auch in Berlin, nimmt weiterhin der Individualverkehr ein.

Wir sehen uns zudem in den Städten aber auch mit zunehmenden Verkehrsbelastungen konfrontiert. Durch den Megatrend der Urbanisierung steigen allein in Berlin die KFZ-Zulassungen jedes Jahr im 4- bis 5-stelligen Bereich. In der Konsequenz nehmen Staus zu und der Parkdruck verschärft sich zunehmend. Gerade alternative Zustellfahrzeuge wie E-Cargobikes oder E-Scooter bekommen vor den genannten Hintergründen natürlich nochmals einen ganz anderen Stellenwert.

Wird dies einen Nachteil für die Kunden haben – kommen die Pakete nun später? Nein, auf die Lieferzeit hat der Einsatz alternativer Fahrzeuge wie E-Cargobikes keinen Einfluss.

Wie viele Pakete können so durchschnittlich transportiert werden? Wie steht dies im Verhältnis zu den konventionellen Lieferungen mit dem Auto? Das kommt stets auf den Einsatzort an. In Berlin profitieren wir davon, dass das Zustellgebiet extrem dicht besiedelt ist. Wir können hier also selbst auf kurzen Touren mit wenigen Stopps viele Pakete ausliefern. Das macht das Cargobike-Modell gerade dort sehr interessant für uns. Natürlich ist die Ladekapazität eines E-Cargobikes im Vergleich zu einem konventionellen Transporter begrenzt. Da wir ein E-Cargobike innerhalb einer Schicht aber aufgrund des nahegelegenen Mikro-Depots bei Bedarf sogar mehrmals wieder nachladen können, kann der geringere Laderaum kompensiert werden. Unser Ziel ist es einen Transporter nahezu 1:1 zu ersetzen. Bei großen Paketen oder Gepäckstücken, aber auch Sperrgut wie bspw. Surfbrettern, sind wir aber auch weiterhin auf Transporter angewiesen. Im Rahmen der Kooperation mit Mercedes können diese dann aber künftig mit Elektrotransportern zugestellt werden.

Zu guter Letzt: Könnten Sie bitte folgenden Satz beenden: „Berlin ist smart, weil… die Stadt in Elektromobilität investiert und für erste Tests in der alternativen Paketzustellung auch mal unkonventionelle Wege einschlägt, um die Lebensqualität der Bürger zu steigern.

[09.07.2018: Anm. der Redaktion: Das KoMoDo Projekt hat erfolgreich die geplante Testphase abgeschlossen und wurde bis Ende 2019 verlängert. Seit Projektstart waren bis zu 11 Lastenräder täglich im Einsatz. Dabei haben diese insgesammt rund 38.000 km zurückgelegt und 160.000 Pakete ausgeliefert. Damit wurden etwa 11 t CO2 und rund 28.000 LKW-Kilometer eingespart.]