Prof. Dr. Andreas Knie von der TU Berlin

Verbrennungsmotoren und Privatautos sind Auslaufmodelle, sagt Mobilitätsforscher Andreas Knie und erklärt, wie die Verkehrswende gelingen kann. Denn das Thema Mobilität ist eng mit der Verkehrswende verknüpft. Dabei spielen zunehmend die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Transportmittel auf der Basis von erneuerbaren Energien eine große Rolle. Der Wissenschaftler und smarte Kopf fordert eine Verkehrswende – und Berlin sei für diese Wende geradezu prädestiniert. Wir haben Andreas Knie, Politikwissenschaftler und Mobilitätsforscher an der TU Berlin sowie smarter Kopf, zum Interview getroffen.

Sie fordern einen radikalen Wandel in der Verkehrspolitik – wie genau soll der aussehen? Wir müssen grundsätzlich umsteuern und die über viele Jahre geltende Privilegierung des privaten Autos wieder zurückschrauben. Denn wir haben mittlerweile so viele Autos, dass wir mehr als 47 Mio. Personenfahrzeuge haben, die mehr als 94 Prozent ihrer Zeit stehen und beim Fahren gerademal mit 1.01 Personen besetzt sind. Wir brauchen zukünftig einen Mix aus allen Verkehrsmitteln, die alle verfügbaren Ressourcen an Geräten und Flächen besser ausnutzen.  

Ein Fahrverbot für Dieselmotoren reicht nicht aus…? Wenn wir es nur einmal hätten, wäre es schon gut. Aber auch eine Welt ohne Diesel wird die Probleme nicht lösen.

Sind Elektroautos die Alternative? Der Wechsel des Antriebes ist längst überfällig. Batterieelektrische Autos für den Nahverkehr, Brennstoffzelle für den Schwerlastverkehr und die langen Fahrten – das steht längst serienreif zur Verfügung. Aber natürlich bleibt die Verknüpfung der Verkehrsmittel und die Verteilung der Verkehrslasten auf die vorhandenen Ressourcen von individuellen und kollektiven Verkehrsmitteln das Maß der Dinge.

Müssen sich die Deutschen von Ihren Autos Stück für Stück verabschieden – oder es wenigstens mit mehreren Fahrern teilen – ist Carsharing die Lösung? Menschen – und auch deutsche Menschen – können und sollen auch weiter Kfz benutzen können. Aber wir leben in einer modernen Welt, in der niemand mehr ein privates Fahrzeug vor der Tür als Mobilitätsreserve braucht. Das können wir uns auch nicht mehr leisten. Schlauer ist es, vorhandene Fahrzeuge viel besser auszulasten.

Google und Tesla testen bereits seit Jahren autonome Fahrsysteme – ist das die Lösung für die Zukunft? Das sind einige Optionen. Von autonomen Fahrzeugen kann man ein höheres Maß an Sicherheit und Komfort erwarten, aber auch diese müssen mit allen anderen Verkehrsmitteln optimal vernetzt werden.

Wie sieht die Stadt Ihrer Träume in zehn Jahren aus? Bunt, vielfältig, schrecklich schön, aber sozial ausgewogen, digital vernetzt und nachhaltig betrieben. 

Und wie wird die Stadt in zehn Jahren tatsächlich aussehen? Eine Inszenierungsbühne für die jungen, globalen Menschen, für die allein die Oberfläche
zählt.


Zu guter Letzt: Könnten Sie bitte folgenden Satz beenden: „Berlin ist smart… weil es sich daran erinnert, eine Lizenz für Bedeutendes zu haben.