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Prof. Elke Pahl-Weber vom Institut für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin

Sie forscht im Bereich der Stadtplanung und des Städtebaus und ist mitverantwortlich für den Aufbau des 'Smart City' Kompetenzzentrum gemeinsam mit Professor Bunschoten seit 2013. Professor Elke Pahl-Weber kennt sich mit Problemen von Megacities aus und weiß, wie wichtig eine gute Smart-City-Strategie für die Zukunft ist.

Was ist aus Ihrer Sicht das oberste Ziel in der Stadtplanung einer Smart City? Stadtplanung in der Smart City und für die Smart City zielt auf Orientierung am Bedarf ab, der für die zukunftsfähige Gestaltung von Räumen zum Leben in Strategien und Maßnahmen umgesetzt werden kann und soll.

Und wo sollte man anfangen? Anfangen mit der Stadtplanung für eine Smart City lässt sich auf allen Ebenen der Planung, die beste Orientierung am Bedarf ist in den Quartieren zu gewinnen.

Welche Verantwortung trägt ein Stadtplaner von Berlin und vor welchen Herausforderungen steht er momentan? Ein Stadtplaner von Berlin ist für mich einmal eine Stadtplanerin bzw. Stadtplaner, der in Berlin arbeitet, sei es in der Verwaltung, in Unternehmen oder freiberuflich, eine Stadtplanerin bzw. ein Stadtplaner von Berlin ist aber auch jemand, der in Berlin ausgebildet ist und jetzt an vielen unterschiedlichen Orten in Deutschland und der ganzen Welt arbeitet. Davon treffe ich zunehmend sehr engagierte Personen, worüber ich mich freue, als an der Ausbildung dieser Menschen beteiligte Professorin. Diejenigen, die in Berlin und für Berlin arbeiten, haben angesichts des inzwischen schnellen Wachstums von Berlin enorme Herausforderungen an eine nachhaltige und smarte Stadtentwicklung zu erfüllen. Da ist nicht nur die Herstellung von Wohnungen, vor allem im bezahlbaren Segment des Wohnungsmarktes, die Mobilität, die die unterschiedlichen Aktivitäten bündelt und dabei zukunftsfähige und lebenswerte Bedingungen in den Quartieren schafft, ein Umschwenken auf alternative Energiebereitstellung und – noch kaum im Blickfeld – zukunftsfähigen Energieverbrauch, selbstverständlich auch Sektorenkopplung in der Energie-, Wasser- und Müllwirtschaft. Eine Vernetzung aller daran Arbeitenden, scheint mir für Berlin eine der drängendsten Aufgaben zu sein, der sich andere Städte in Deutschland schon zielführend gestellt haben.

Woran forschen Sie momentan an der TU Smart City Plattform? Die TU Smart City Plattform ist eine fakultätsübergreifende Einrichtung, in den Fakultäten gibt es zahlreiche Projekte, hinzugekommen ist das Einstein Center Digital Future, in dem zahlreiche Projekte erforscht werden.In meinem Fachgebiet koordiniere ich gemeinsam mit meinen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Susanne Thomaier, Paula Hentschel, Florian Hutterer, Marcus Jeutner, Projekte als Verbundprojekte, die über verschiedene Fakultäten gehen, aber auch private Unternehmen und intermediäre Organisationen einbeziehen. Dazu zählen zur Zeit:

  • Migrants4Cities, gefördert im BMBF Forschungsfeld Transformation der Städte; Kooperation mit inter3, Berlin und der Stadt Mannheim
  • Eine Studie zu globalen Urbanisierungstendenzen mit Schwerpunkt Wohnen für Siemens haben wir abgeschlossen, die Veröffentlichung ist kürzlich erfolgt (Marcus Jeutner, Florian Hutterer, Elke Pahl-Weber, Globale Urbanisierungstrends und Zukunft des Wohnens/Global urbanization trends and the future of habitation; Universitätsverlag der TU Berlin, 2019, http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-8110).
  • Smart Climate Cities, in Kooperation mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, dem DIfU, NIUA (National Institute for Urban Affairs, India) im Auftrag von BMU und BMI, Begleitung des Prozesses der Smart-City-Entwicklung in Indien, Pilotstädte Bubaneshwar, Coimbatore, Kochi
  • Distribut-e, Grüne Lieferketten auf der letzten Meile im Kiez; Verbundprojekt mit außeruniversitären und TU-Forschungspartnern, Unternehmen, Bezirksamt Charlottenburg und zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus den Pilotquartieren, Pilotort Mierendorfinsel und Klausener Platz

Der Klimawandel und knapper werdende Ressourcen sind wichtige Themen für Groß- und Megastädte weltweit, kann eine „Smart City“ diese Probleme wirklich lösen? Die Mehrheit der Menschen lebt in Städten und die Urbanisierungstendenzen halten an, wie im Bericht des WBGU zur Transformation der Städte festgehalten, haben Städte die Kraft für die Transformation; Klimawandel und Ressourcenschutz benötigen darüber hinaus eine stärkere regionale Planung und Vernetzung.

Finden Sie, die Politik müsse härter eingreifen, um zum Beispiel den Klimawandel einzudämmenFür mich ist weniger die Frage der Härte des Eingriffs entscheidend, als die Art und Weise, in der Entscheidungen getroffen werden und die Ausbildung einer integrierten Strategie, auch hier ist Vernetzung ein Zauberwort, alle reden über ressortübergreifende Ansätze, aber sie zu praktizieren ist eine Herkulesaufgabe, nicht zuletzt für die Politik.

Welche Rolle spielen die einzelnen Bürgerinnen und Bürger beim Ausbau einer Smart City? Bürgerinnen und Bürger sind Teil des Raums, in dem Smart City sich entwickelt. Sie sind konstitutiv wichtig für die Entwicklung von zukunftsfähigen Strategien. Dafür werden Instrumente und Verfahren gebraucht, die sich von klassischer Beteiligung zu Kooperationen entwickeln, bei denen neue Geschäftsmodelle entstehen, alle Beteiligten Verantwortung übernehmen, so weit sie können und wollen. 

Wir entwickeln in meinem Fachgebiet und auch Fakultätsübergreifend die Methode des Urban Design Thinking, die auch auf Kooperation in Stadtentwicklungsprozessen setzt. Sie wird in allen genannten Forschungsprojekten erprobt.

Gibt es Smart Cities, die Sie als Vorbilder für Berlin sehen? In Bezug auf Mobilität sehe ich Kopenhagen als Vorbild, in Bezug auf Verwaltungshandeln Amsterdam, die Städte sind zwar kleiner, aber auch Hauptstadt oder urbanes Zentrum.

Und gibt es Best Practices in Berlin, die Sie sinnvoll und innovativ finden? Ich greife nur zwei heraus, es gibt weit mehr Ansätze:

Die Umwandlung von Tegel zu einem zukunftsfähigen Standort, auch wenn sie von der Entwicklung des neuen Flughafens abhängt, ist ein Best Practice für zukunftsfähige Standortentwicklung zwischen Wissenschaft, Industrie und Kultur.

Als Juryvorsitzende war ich am städtebaulichen Wettbewerb für Gartenfeld beteiligt, hier ist ein smartes und zukunftsfähiges Quartier in der Entwicklung, das zum Best Practice für die Entwicklung neuer großer Standorte in Berlin taugt.

Welche Vorteile und Stärken hat Berlin? Berlin ist ein sehr vielfältiger Standort mit sehr unterschiedlichen Räumen, das hat hohe Attraktivität für Bewohner*innen und Besucher*innen. Berlin ist Wissenschaftsstandort und hat nicht zuletzt durch die hohe Zahl von Studierenden ein Klima der Aufbruchstimmung.

Wie würde für Sie die Stadt der Zukunft bestenfalls aussehen? Es wäre eine Stadt, in der Zusammenhalt (soziale Kohäsion) gelebt wird, ohne dabei die natürlichen Ressourcen zu zerstören, eine Stadt, in der alle Menschen stolz darauf sein können, wie sie sie der nachfolgenden Generation überlassen.

Könnten Sie bitte folgenden Satz beenden: „Berlin ist smart, weil…

…die Stadt so vielfältig ist und tausende Ansätze für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung gelebt werden.